Risiken in der Schwangerschaft

An dieser Stelle soll auf mögliche Risiken und Gefahren hingewiesen werden, die in einer Schwangerschaft auftreten können. In 20 bis 25 Prozent aller Schwangerschaften kommt es zu Komplikationen. Diese können sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind oder beide betreffen.

Im Einzelnen kann es sich um folgende Komplikationen handeln:

  • Ca. zehn Prozent der Schwangeren entwickeln in der Schwangerschaft eine Krankheit. Am häufigsten ist dabei der sogenannte Schwangerschaftsdiabetes, der in fünf bis zehn Prozent aller Schwangerschaften auftritt. Aber auch Thrombosen sowie weitere Krankheiten und Probleme treten nicht selten auf.
  • Bei einigen Schwangerschaften ist - je nach familiärer Disposition - die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass das heranwachsende Kind Fehlbildungen oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen aufweist.
  • Fehlgeburten führen in 20 Prozent aller begonnenen Schwangerschaften zu einem frühen und traurigen Ende der Schwangerschaft.
  • Knapp zehn Prozent aller Schwangeren sind von einer Frühgeburt betroffen.


In den meisten Fällen kann beim rechtzeitigen Erkennen von Symptomen und/oder einer schnellen und gezielten Diagnostik medizinisch viel getan werden. Für die werdenden Mütter ist es aber noch viel wichtiger, dass sie bei einigen der genannten Komplikationen und Risiken durch persönliches Verhalten sehr viel tun können, um die Wahrscheinlichkeit ihres Eintritts zu verringern. Dies gilt vor allem für die Frühgeburt.

Auch wenn auf Schwangere einige wenige der im Folgenden beschriebenen Risikofaktoren zutreffen sollten, so ist das noch kein Grund zur Panik. Sie haben zwar statistisch gesehen ein etwas erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, aber trotzdem wird Ihr Kind in aller Regel immer noch mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent oder mehr gesund und rechtzeitig zur Welt kommen. Das Positive dabei: Wenn man diese Risikofaktoren kennt und vermeidet bzw. verringert, dann kann man diese Wahrscheinlichkeit noch weiter erhöhen.

Die am meisten verbreiteten Risiken im Verlauf einer Schwangerschaft sind die Folgenden, wobei auf einige anschließend noch näher eingegangen wird:

  • Alkohol (siehe Details weiter unten)
  • Rauchen (siehe Details weiter unten)
  • Illegale Drogen (siehe Details weiter unten)
  • Chemikalien und andere Schadstoffe (z.B. Blei, Kupfer, Quecksilber, Chloroform, Kohlenmonoxid, Pestizide, Röntgenstrahlen)
  • Bestimmte Sportarten (insbesondere Sport mit harten Stößen oder schnellen Beschleunigungen)
  • Bestimmte Reisen (z.B. wegen Infektionsrisiken in einigen Urlaubsregionen, Nebenwirkungen empfohlener/vorgeschriebener Reiseschutzimpfungen, Thrombosegefahr insbesondere auf Langstreckenflügen)
  • Impfungen (ärztliche Beratung ist angezeigt bzgl. verbotener und ggf. empfohlener Impfungen in der Schwangerschaft)
  • Lebensalter (Komplikationsrisiko unter 18 und über 35 Jahren leicht erhöht, ab 40 etwas stärker erhöht)
  • Ernährung und Gewicht (siehe Details in separatem Kapitel)
  • Stress (körperliche und/oder seelische Belastungen durch Zeitdruck, hektische Arbeitsabläufe, Konflikte im Berufs- und Privatleben)
  • Infektionskrankheiten (z.B. Listeriose, Toxoplasmose, Röteln, Vaginalinfektionen, Hepatitis B)
  • Chronische Krankheiten (z.B. Diabetes, Hypertonie, Rheuma, Schilddrüsenerkrankung, Depression)
  • Medikamente (ärztliche Aufsicht wegen häufiger Kontraindikation in der Schwangerschaft, Details siehe unten stehender Link)
  • Vorausgegangene Schwangerschaften mit Problemen (z.B. Komplikationen, Fehlgeburt, Frühgeburt)
  • Familiengeschichte, genetische Faktoren (ärztliche Beratung bzgl. Vorsorge und evtl. genetischer Diagnostik)
  • Parodontitis
  • Krankheit des Partners
  • Mehrlingsschwangerschaften (siehe Details in separatem Kapitel Mehrlinge)


Medikamente

Nähere Informationen zur Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit finden Sie auf der Informationsseite des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie unter www.embryotox.de

Alkohol
Wie schädlich Alkohol in der Schwangerschaft ist, wurde in der Wissenschaft umfangreich dokumentiert. Am gefährlichsten ist er in der Zeit, in der der Embryo die Organe entwickelt,
also zwischen dem 15. und 60. Tag nach der Befruchtung.

Alkohol kann zu einer ganzen Reihe von folgenschweren Erkrankungen beim Kind führen:

  • zu geringes Wachstum
  • zu geringes Gewicht
  • psychomotorische Störungen
  • Hyperaktivität
  • Gesichtsanomalien
  • Fehlbildungen
  • Störungen des zentralen Nervensystems
  • geistiges Zurückbleiben


In Deutschland werden jährlich etwa 1.700 Kinder (0,25 Prozent) mit schweren Folgen des mütterlichen Alkoholkonsums geboren. Große Mengen Alkohol wirken wie ein starkes Gift und schädigen das Erbgut, daher gilt die allgemeine Empfehlung, bereits vor der Schwangerschaft Exzesse zu vermeiden.

Während der Schwangerschaft sollte möglichst ganz auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden. Bei Alkoholproblemen helfen die Frauenärztin oder der Frauenarzt weiter sowie Beratungsstellen. In Deutschland kann man sich telefonisch (auch anonym) bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beraten lassen unter der Telefonnummer 02 21-89 20 31.

Rauchen
Wie der Konsum von Alkohol und anderen Drogen ist auch das Rauchen vor und während der Schwangerschaft mit hohen Risiken für das ungeborene Kind verbunden.

Rauchen schädigt das sich entwickelnde Kind auf mindestens drei Wegen:

  • Nikotin verengt die Blutgefäße. Das verringert die Durchblutung der Placenta und lässt den Blutdruck auch beim Kind ansteigen.
  • Das im Zigarettenrauch enthaltene Kohlenmonoxid führt zu einer Verringerung des Sauerstoffgehalts im Blut. Das Kind leidet dadurch praktisch immer unter »Atemnot«.
  • Die weiteren Inhaltsstoffe der Zigarette wie Blei und Cadmium werden ungefiltert an das Kind  weitergegeben. Zigaretten enthalten über 100 chemische Substanzen, von denen viele giftig sind und sogar das Erbgut schädigen.


Rauchen vor und während der Schwangerschaft kann die Risiken der folgenden Krankheiten oder Komplikationen deutlich erhöhen:

  • Unfruchtbarkeit
  • Menstruationsstörungen
  • Spontanaborte
  • Geringes Geburtsgewicht
  • Frühgeburt
  • Erhöhte Krankheitsanfälligkeit des Kindes
  • Hyperaktivität des Kindes
  • Placenta praevia (der Mutterkuchen liegt im unteren Teil der Gebärmutter)
  • Kleinwuchs
  • Einschränkung der Stillfähigkeit


Ob Rauchen auch zu Fehlbildungen beim Kind führen kann, ist noch umstritten. Vieles spricht dafür, aber die Studienergebnisse liefern kein eindeutiges Bild. Dafür weiß man über die anderen Komplikationen sehr genau Bescheid. Es kann gemessen werden, wie mit jeder gerauchten Zigarette das Risiko ansteigt. Man spricht von einer klaren »Dosis-Wirkungs-Beziehung«: je größer die Dosis, desto schädlicher die Wirkung. So nimmt das Geburtsgewicht des Kindes mit zunehmender Menge des inhalierten Zigarettenrauchs beständig ab. Die Kinder von  Raucherinnen sind 150–250 Gramm leichter als die von Nichtraucherinnen. Genauso steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Spontanabort kommt und die Rate der Frühgeburten ist mehr als verdoppelt.

Während der Schwangerschaft sollte möglichst ganz auf den Konsum von Zigaretten verzichtet werden. Bei Problemen mit dem Rauchen helfen die Frauenärztin oder der Frauenarzt weiter sowie Beratungsstellen. In Deutschland kann man sich telefonisch (auch anonym) bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beraten lassen unter der Telefonnummer 02 21-89 20 31.

Auch die Folgen des Passivrauchens sind messbar: Schwangere, die selbst nicht rauchen, aber am Arbeitsplatz oder zu Hause starkem Zigarettenrauch von anderen ausgesetzt sind, gebären ebenfalls Kinder mit geringerem Geburtsgewicht. Passivrauchen am Arbeitsplatz ist in einigen Ländern ohnehin nicht erlaubt, in Deutschland bietet das Mutterschutzgesetz Schutz für die Schwangere und das ungeborene Kind.

Illegale Drogen
Illegale Drogen sind giftig und daher vor und während der Schwangerschaft schädlich für Mutter und Kind. Nachfolgend werden beispielhaft einige Drogen aufgeführt:
 
Marihuana:
Es ist sehr schwer, dazu genaue Aussagen zu machen. Das liegt vor allem daran, dass meist nicht nur eine Droge genommen wird, sondern mehrere. Wer einen Joint raucht, setzt sich häufig auch den Schadstoffen von Tabak aus. Meist wird dazu noch Alkohol getrunken oder es werden weitere illegale Drogen genommen. Die Schwangere, die nur Marihuana zu sich nimmt, gibt es nur selten oder jedenfalls nicht in so großen Zahlen, dass sich daraus eine statistische Wahrscheinlichkeit für Gesundheitsrisiken sicher berechnen ließe. Das gilt in ähnlicher Weise für die isolierte Betrachtung von allen anderen Drogen. Eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt allerdings, dass Frauen, die häufig Ecstasy verwenden, ein erhöhtes Risiko haben, ein Kind mit Fehlbildungen zu gebären. Bei aller Unsicherheit ist nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht auszuschließen, dass der mittlere bis starke Konsum von Marihuana vor und während der Schwangerschaft zu folgenden Komplikationen führt:

  • Frühgeburt
  • geringere Gewichtszunahme der Mutter
  • Fehlbildungen
  • geringeres Geburtsgewicht
  • Entwicklungsstörungen des Kindes


Kokain:
Was für Marihuana gesagt wurde, gilt auch für Kokain, das jedoch entschieden gefährlicher ist als Marihuana. Es gibt Hinweise auf Zusammenhänge mit:

  • verfrühter Wehentätigkeit
  • Spontanabort
  • vorzeitigem Blasensprung
  • geringerem Geburtsgewicht
  • geringerem Wachstum des Kindes
  • Frühgeburt
  • Verhaltensstörungen des Kindes


Ecstasy:
Aktuelle Untersuchungen aus Großbritannien zeigen Zusammenhänge zwischen Ecstasykonsum und Fehlbildungen sowie Frühgeburten.

Heroin:
Heroinabhängigkeit bei Schwangeren ist höchst gefährlich, weil das Risiko, sich von unsauberen Spritzen Infektionen zu holen, außerordentlich groß ist. Deshalb bekommen heroinabhängige werdende Mütter in der Regel den Ersatzstoff Methadon. Ergebnisse zu Folgen des Heroinkonsums auf die Gesundheit des Kindes liegen nicht vor. Sicher ist nur, dass die Kinder nach der Geburt schwere Entzugserscheinungen aufweisen. Das Gleiche gilt leider auch für Babys, die sich unter Methadon entwickeln.

Während der Schwangerschaft sollten Drogen grundsätzlich gemieden werden, weil sie giftig sind und das ungeborene Kind schädigen. Werdende Mütter, die Drogen nehmen, sollten versuchen, mit fachkundiger Hilfe davon loszukommen. Beratungsstellen finden sich im Telefonbuch. In Deutschland kann man sich telefonisch (auch anonym) bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beraten lassen unter der Telefonnummer 02 21-89 20 31.


Besonderer Dank
Wir bedanken uns recht herzlich bei BabyCare für die freundliche Bereitstellung dieses Textes.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter:
BabyCare: www.baby-care.de
Erich Saling Institut: www.saling-institut.de

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